Newsletter 01/25

März 22, 2025

Liebe Freunde,

es ist bereitsMärz und erst jetzt kommt der erste Newsletter im Jahr 2025. Das ist natürlich ein eklatantes Versagen unserer Public Relations Abteilung und ich werde mir die Verantwortlichen persönlich vornehmen.

Zuerst wie immer der Hinweis auf Verfügbarkeiten:

Törn Nr. 5: Faro, Portugal nach Cartagena – 05.04.2025 bis 16.04.2025 – 1 Koje Frei

Törn Nr. 6: Gibraltar nach Teneriffa – 01.11.2025 bis 14.11.2025 – 1 Koje Frei

Unabhängig davon haben wir im ersten Quartal 2025 schon einiges erlebt. Dazu gehört der Rückzug meiner Mutter aus dem Unternehmen. Susanne hat die Firma gemeinsam mit mir gegründet und tolle Impulse gesetzt. Ihr Rückzug bedeutet nicht, dass sie mir nicht auch weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen wird. Allerdings wird sie in Zukunft keine Position mehr innehaben. Danke Mama!

Damit bin ich wieder als Einzelkämpfer und -kaufmann unterwegs. Für Euch ändert sich selbstverständlich nichts.

Unsere Saison 2025 begann mit zwei fantastischen Törns auf der Nordroute der kleinen Antillen von Martinique nach Guadeloupe und von dort in weiteren zwei Wochen nach St. Martin. Und was soll ich sagen?

Es war großartig! Mildes Wetter mit wenig Regen und perfekte Crews. Und selbst der etwas zu starke Wind auf dem zweiten Törn nach St. Martin konnte die mutige und neugierige Crew nicht stoppen. Die Stopps auf Dominica, Isle de Saint, Marie Galante und Barbuda werden mir und Roci noch lange in Erinnerung bleiben. Und all die anderen natürlich auch.

Dann wurde es aber ernst, denn wir hatten uns in diesem Jahr etwas Besonderes, vielleicht auch etwas besonders Schwieriges vorgenommen. Die Atlantiküberquerung von West nach Ost, St. Martin nach Horta, im Februar.

Am 07.02.2025 ging es aus der Marigot Bay auf St. Martin nach einem letzten Tankstopp los und der Wetterbericht prognostizierte vorerst vier Tage anspruchsvolles Segeln. Ein erster langer hoher Schlag in Richtung Nord bis NordNordOst bei guten 25 Knoten Wind zwang uns vom ersten Moment an alles zu geben. Keine Eingewöhnungszeit, kein Champagnersegeln. Aber mit Stolz kann ich sagen, dass Schiff und Crew die Bedingungen gut meisterten, von einigen Stolperern und ein wenig Seekrankheit mal abgesehen. Leider ließ der Wind dann aber massiv nach und der Hochdruckeinfluss in der Mitte des Nordatlantiks übernahm das Steuer. Bei noch recht schönem Wetter mussten wir dieses Hoch durchstoßen, was eine viertägige Motorfahrt zur Folge hatte, die vor allem aufgrund der Lärmbelästigung an den Nerven gezerrt hat.

Mit jeder Seemeile, die wir nach Norden fuhren, wurde es etwas kälter. Und spätestens ab dem 31 Breitengrad, dem Bereich, ab dem wir von nun an immer wieder die Südflanken der Tiefdruckgebiete suchen würden, war auch tagsüberwarme Kleidung notwendig. Doch nicht nur die kühleren Temperaturen, sondern auch das zunehmend instabile Wetter mit Regen und teilweise starken Winden verlangten der Crew einiges ab.

Nach Osten hieß es nun für eine geraume Weile. Immer wieder zogen Tiefdruckgebiete im Norden vorbei, brachten Wind und Regen, brachten uns voran und zogen wieder ab. Leider ließen sie uns oftmals mit aufgewühlter See und kaum segelbarem Wind zurück. So kämpften wir uns mal nach Osten, mal nach Nordosten voran und so langsam kam der letzte kritische Teil in Sicht. Die letzten knapp 800 Seemeilen, die uns nach Norden, bzw. nach Nordosten fehlten und uns nach Horta führen würden. Und wir passten ein gutes Wetterfenster ab. Dank unserer Wetternavigatorin Julia, die uns wie immer vom Festland aus beraten hat. In dieser Zeit zogen, dank des Hochdrucks im Süden die Tiefdruckgebiete nach Norden und eher in Richtung Irische See und ermöglichten uns so eine sichere Anfahrt auf Horta, wo wir nach ca. 2500 Seemeilen und 18 Tagen auf See, erschöpft und glücklich anlandeten. Expliziter Dank gilt hier auch noch mal meinem Vater Pit, ohne den wir diese Tour nicht geschafft hätten.

Der Hafenmeister begrüßte uns und versicherte uns, dass wir in diesem Jahr das erste Schiff seien, dass aus der Karibik auf Faial angekommen sei. Was für ein gutes Gefühl diesen schweren und langen Törn sicher gemeistert zu haben. Jetzt konnten wir, wie angekündigt im legendären Peter Café Sport einen Drink genießen und uns wieder an festen Boden unter den Füßen gewöhnen.

Während die Crew sich auf die Abreise vorbereitete, nutzte ich die wenigen Tage vor Beginn des nächsten Törns, um notwendige Reparaturen durchzuführen und Roci etwas Liebe zu gönnen, denn immerhin hat sie die Hauptarbeit geleistet.

Am Samstag, den 01.03.2025 begann dann der nächste Törn, der unsere neue kleine Crew von nur drei Seglern inklusive mir, an das portugiesische Festland führen sollte. Nur leider begann nun etwas, was nach einhelliger Meinung ungewöhnlich ist. Die Tiefdruckgebiete, die von Westen, also der kanadischen Ostküste auf den Atlantik hinausziehen, haben normalerweise eine leichte Poltendenz, das heißt, dass sie auf die Distanz leicht nach Norden ziehen und so ab den Azoren eher in Richtung Biskaya oder Irland ziehen. Für unseren Törn galt das nicht, sondern mehrere starke Winde mit sich führende Tiefdruckgebiete sollten von nun an in kurzer Folge über die Azoren ziehen und dann tendenziell nicht nach Norden, sondern entweder ziemlich direkt nach Osten oder sogar leicht südlich in Richtung der Straße von Gibraltar. Alles in allem eine verzwickte Lage, denn wissentlich in Bereiche, in den 50 Knoten Wind oder mehr zu erwarten sind, hineinsegeln, ist auf keinen Fall verantwortungsvoll. Also entschieden wir uns von Horta, mit einem Zwischenstopp in Velas auf Sao Jorge, den Schlag nach Ponta Delgada auf Sao Miguel zu planen, um dort notgedrungen drei bis vier Tage Pause zu machen und den ersten Sturm durchziehen zu lassen. Der Plan funktionierte und wir kamen sicher und vor dem Wind auf Sao Miguel an, nachdem wir einen sehr schönen Tag auf Sao Jorge hikend verbracht hatten. Auch die Überfahrt nach Ponta Delgada verlief gut, auch wenn sich der Wind etwas weniger und kürzer als erhofft einstellte. So war es ein guter shake down, bei dem die neue Crew Roci, während eines ersten Übernachtschlags, kennen lernen konnte.

Wie erwartet setzte dann ab Freitag der Wind ein und erreichte selbst im Hafen von Ponta Delgada in der Abdeckung Windgeschwindigkeiten von über 40 Knoten. Aber wir waren vorbereitet, hatten alles geräumt oder festgebunden und auch Roci selbst mit einer Vielzahl an Springs in einer Art Netz gebunden, um größere Belastungen zu vermeiden. Unsere kleine Crew erforschte an diesen stürmischen und regnerischen Tagen die Insel und bewunderten die riesigen Wellen, die an der Nordseite der Insel anbrandeten. Auch die heißen Quellen von Furnas wurden besucht und das eine oder andere Käsetoast verdrückt. Nun war leider schon Samstag und Halbzeit. Das Problem war, dass wir nur ein Sechstel des Törns hinter uns gebracht hatten und das Wetter, wie wir es auch drehten und wendeten, uns keine Option zeigte sicher nach Faro an der Algarve zu gelangen. Gleichzeitig hatte ich aber einen Kran Termin für das Refit am kommenden Freitag vereinbart. Es sah alles ganz übel aus. Ein Lichtblick war, dass beide Mitsegler noch Zeit an der Algarve eingeplant hatten, was uns gut zu pass kam.

Ich bin diese Strecke nun mittlerweile fünfmal, zu verschiedenen Jahreszeiten, erfolgreich gesegelt. Aber so eine schwierige Wetterlage habe ich dort noch nicht erlebt. Unsere kleine Crew monitorte das Wetter und stand auch mit Julia in regem Austausch. Es wurden Nordrouten fast schon über Porto, direkte Routen und Südrouten, als Bogen oder über Madeira berechnet und analysiert. Und am Samstag morgen öffnete sich ein kleines Fenster von Sao Miguel zuerst nach Süden in Richtung Madeira zu segeln und, sollte sich die Vorhersage bestätigen, dort das nächste Tief abzuwarten oder sollte sich die Bahn des Tiefs sich verändern, dann wieder nach Nordosten zu halten und die Algarve direkt zu erreichen. Am Samstagnachmittag verließen wir Ponta Delgada mit der Rückseite des abziehenden Tiefs und hielten nach Südosten in Richtung Madeira. Vor dem Wind, maximal gerefft, pfefferte uns das Wetter Böen bis 40 Knoten um die Ohren und im Verlauf der Nacht und dem langsamen Verlassen der Abdeckung von Sao Miguel stieg die Wellenhöhe auf über fünf Meter an.

Und wir waren schnell. Der Rekord, und das ist auch der Alltime Record, beträgt die Welle herunter 16,8 Knoten.

So konnten wir nach tollem und aufregendem Starkwindsegeln auf dem offenen Atlantik nach drei Tagen und zwölf Stunden mit einem Geschwindigkeitsdurchschnitt von 6,5 Knoten und gesegelten ca. 530 Seemeilen sicher in Funchal auf Madeira einlaufen.

Hier, ähnlich wie auf Ponta Delgada, erwarteten wir im Verlauf der folgenden 24 Stunden hohe Windgeschwindigkeiten, die das Nächste Tiefdruckgebiet bei seinem Durchzug mit sich bringen sollten. Roci, ja bereits gewöhnt und vorbereitet, wurde extra gut vertäut und die Crew machte sich eine angenehme Zeit auf dem bereits frühlingshaft warmen Madeira. Nicht umsonst trägt diese wunderschöne Insel auch den Beinamen “die Blumeninsel”.

Nach erneuter eingehender Auseinandersetzung mit der Wetterprognose folgten wir unserem Plan nach ca. 24 Stunden erneut dem abziehenden Wettersystem zu folgen und so schnell wie möglich in Richtung Festland zu segeln, bevor das sich bereits ankündigende nächste System uns erreichen würde. Also hieß es am Donnerstagnachmittag erneut Leinen los und diesmal führt uns unsere Route nach Nordosten, südlich an Porto Santo vorbei und im Norden der sog. Morrocan Fishinggrounds (relativ flache Bereiche zwischen Madeira und Festland, die in ihrem Süden bei hoher Dünung aus Nordwest eine unangenehmen, bis gefährliche Wellenhöhe erzeugen können) direkt nach Faro. Und es sollte eine erste Nacht werden! Die Windstärke variierte zwischen 19 Knoten und 38 Knoten und machte die Auswahl einer geeigneten Segelgarderobe schwierig. Die Spitzenwindgeschwindigkeiten wurden ausschließlich in squallartigen autonomen kleinen Wettersystemen mit Starkregen und Starkwind erreicht, die jedoch selbst bei fast vollem Mond in der Nacht schwer vorherzusehen waren. So wurde der Crew alles abverlangt und bis zum nächsten Abend, an dem der Wind dann endgültig abflaute kam niemand wirklich zum Schlafen.
Dann flaute der Wind auf eine nicht segelbare Stärke ab, die uns zwang den Motor zu starten. So kam die gesamte Crew etwas zur Ruhe und zwischendurch kam sogar ein paar Mal die Sonne heraus. Mit ca. 6 Knoten näherten wir uns dem Festland und warteten auf neuen Wind, der sich leider erst in einem Gebiet wieder einstellte, das ich Orcaland nenne. Den Bereich ab ca. 40 Seemeilen vor der Küste, in dem es in den letzten Jahren immer wieder zu Interaktionen von Orcas und Segelbooten kam, die in einigen Fällen für die Segelboote mit beschädigten Rudern, im schlimmsten Fall sogar mit dem Sinken der Yacht, einhergingen. Und auch wenn es mittlerweile durch Social Media und Messenger Gruppen viele Informationen über den aktuellen Aufenthaltsort der Gruppen gibt, ist es doch immer eine nervenaufreibende Angelegenheit. Da empfohlen wird diesen Bereich so schnell wie möglich zu passieren, haben wir da gar nicht lange gefackelt, sondern sind unter Motor, mit der Unterstützung des Großsegels und ständigem Ausguck gehen durch das Gebiet geprescht. Offensichtlich hatten die Orcas dieses Mal besseres zu tun und so konnten wir auch diese Etappe ohne Beschädigungen und vor dem nächsten Tiefdruckgebiet sicher beenden. Gegen 12.00 Uhr passierten wir die Barra Nova, die Einfahrt in die Lagune von Faro und gingen erstmal vor Anker. Wieder hatten wir einen Durchschnitt von über 6 Knoten gehalten und die ca. 530 Seemeilen in ungefähr dreieinhalb Tagen absolviert. Schnell genug, um meinen, auf den Nachmittag, verlegten Krantermin wahrzunehmen. Wir nutzten die Pause vor Anker, um uns etwas auszuruhen und dann Roci für eine kleine Schwebeeinheit vorzubereiten. Um 15.00 Uhr erreichten wir den Nave Pegos Boatyard in Faro und wurden zügig und fast komplikationsfrei gekrant. Roci steht nun in Faro auf Land, während ich dies hier Schreibe und wartet auf ein kleines Makeover und die Reparatur der kleinen Dinge, die immer anfallen.

Ich verbringe eine Woche in meinem zu Hause in Berlin und reise nächste Woche erneut nach Portugal, um gemeinsam mit einem Freund die Arbeiten durchzuführen, bevor dann am 05.04.2025 der letzte Törn vor dem Sommer und der Bareboatvercharterung von Rocinante an Robert, Sabrina und die Kids im Mittelmeer beginnt.

Für den Törn von Faro nach Cartagena, Spanien 05.04.2025 bis 16.04.2025 gibt es noch einen Platz in der Vorkabine. Bei Interesse einfach hier klicken und mir schreiben.

Ich wünsche Euch allen einen schönen Frühling und hoffe, dass wir uns bald mal wieder auf dem Wasser sehen.

Fair Winds Jan