Atlantiküberquerung von West nach Ost: von St. Martin nach Horta
1. März 2025

Die klassische Atlantiküberquerung führt mit dem Passat nach Westen – Kanaren, Kap Verde, Karibik, Champagnersegeln. Der Weg zurück, von West nach Ost, ist ein anderes Thema: kein stetiger Passat, sondern die wechselhafte Wetterküche des Nordatlantiks. Diese Überquerung von St. Martin nach Horta im Februar – rund 2500 Seemeilen in 18 Tagen – war eine der anspruchsvollsten Passagen, die ich mit Rocinante gesegelt bin.
Kein Champagnersegeln: der Start
Am 7. Februar ging es aus der Marigot Bay auf St. Martin nach einem letzten Tankstopp los. Der Wetterbericht kündigte gleich vier Tage anspruchsvolles Segeln an – und hielt Wort. Ein erster langer, hoher Schlag Richtung Nord bis Nordnordost bei guten 25 Knoten verlangte vom ersten Moment an alles. Keine Eingewöhnung, kein Einsegeln. Schiff und Crew meisterten die Bedingungen gut – von ein paar Stolperern und etwas Seekrankheit abgesehen.
Dann kippte es ins Gegenteil: Der Wind ließ massiv nach, das Hochdruckgebiet in der Mitte des Nordatlantiks übernahm. Bei schönem Wetter mussten wir das Hoch durchstoßen – eine viertägige Motorfahrt, die vor allem durch die Lärmbelastung an den Nerven zerrte.

Nach Norden, in die Wetterküche
Mit jeder Seemeile nach Norden wurde es kälter. Spätestens ab dem 31. Breitengrad – dem Bereich, ab dem wir fortan immer wieder die Südflanken der Tiefdruckgebiete suchen würden – war auch tagsüber warme Kleidung nötig. Nicht nur die Temperaturen, auch das zunehmend instabile Wetter mit Regen und teils starkem Wind forderte die Crew.
„Nach Osten" hieß es nun für eine ganze Weile. Immer wieder zogen im Norden Tiefs vorbei, brachten Wind, Regen und Fahrt – und ließen uns oft mit aufgewühlter See und kaum segelbarem Wind zurück. So kämpften wir uns mal nach Osten, mal nach Nordosten voran.
Warum die Südflanke? Auf der Nordhalbkugel dreht der Wind um ein Tief gegen den Uhrzeigersinn. An seiner Südseite weht er dadurch tendenziell aus West – also in die Richtung, in die man auf dem Rückweg will. Wer die Tiefs an der richtigen Flanke „mitnimmt", macht Strecke nach Osten, ohne in die gefährlichsten Starkwindbereiche zu geraten. Genau darum dreht sich das Wetterrouting auf dieser Passage.
Das letzte Fenster nach Horta
Der kritische Schlussteil waren die letzten knapp 800 Seemeilen nach Nordosten, hinauf nach Horta. Wir warteten ein gutes Wetterfenster ab – unterstützt von unserer Wetterberaterin an Land, die uns vom Festland aus routete. In dieser Zeit zogen die Tiefs dank eines Hochs im Süden weiter nach Norden Richtung Irische See und ließen uns eine sichere Anfahrt auf Horta.
Nach rund 2500 Seemeilen und 18 Tagen auf See landeten wir erschöpft und glücklich an. Der Hafenmeister begrüßte uns mit der Nachricht, wir seien in diesem Jahr das erste Schiff, das aus der Karibik auf Faial ankam. Dann der verdiente Drink im legendären Peter Café Sport – und die Umgewöhnung an festen Boden unter den Füßen.

Was diese Passage ausmacht
Die Überquerung von West nach Ost ist kein Downwind-Törn. Sie verlangt Geduld, kaltes Wetter, ein diszipliniertes Lesen der Großwetterlage und die Bereitschaft, tagelang zu warten, zu motoren oder Umwege zu segeln, bis das Fenster passt. Genau das macht sie zu einer der lehrreichsten Passagen überhaupt – und Horta zu einem Ankommen, das man sich hart erarbeitet hat.
Dieser Bericht stammt aus dem Logbuch der SY Rocinante. Wie es von den Azoren weiter aufs Festland ging – inklusive Orca-Gebiet – steht im Bericht Orcas vor Portugal. Atlantik- und Küstentörns zum Mitsegeln findest du in der Törnübersicht.
